JOH 19,6.13-16
Als die führenden Priester und Gerichtspolizisten ihn sahen, schrien sie im Chor:
„Kreuzigen! Kreuzigen!“ Pilatus sagte zu ihnen: „Nehmt ihn doch und kreuzigt
ihn selbst! Ich finde keinen Grund ihn zu verurteilen“.
Als Pilatus das hörte, ließ er Jesus herausführen. Er setzte sich auf den Richterstuhl an der Stelle, die Stein-pflaster heißt, auf Hebräisch: Gabbata. Es war der Tag vor dem Passafest, etwa zwölf Uhr mittags.
Pilatus sagte zu den anwesenden Juden: „Da habt Ihr Euren König!“ Sie schrien: „Weg mit ihm! Ans Kreuz!“ Pilatus fragte sie: „Euren König soll ich kreuzigen lassen?“ Die führenden Priester antworteten: „Unser einziger König ist der Kaiser in Rom!“ Da lieferte Pilatus ihnen Jesus aus und gab ihn frei zur Kreuzigung.
IMPULS:
Loslassen: Wer über das Leben nachdenkt, stößt unvermeidlich auf die Machtlosigkeit des Menschen. Täglich passieren viele Dinge, denen Du ausgeliefert bist, die Du nicht ändern kannst. Du kannst sie nicht verhindern, ob du viel oder wenig Geld hast, ob du ein einsamer Mensch und viel Kummer hast, oder ob du ein Glückspilz bist, dem im Leben alles gelingt.
Du bist als Mensch ein Verlierer. Du kannst nichts festhalten. Am Ende rinnt dir alles durch die Finger. Du träumst, du planst und baust, du feierst Erfolge. Und auf einmal kommt das Leid, die Enttäuschung, manchmal Unfall, Krankheit und Tod.
Wir alle kennen diese Tragödien, geliebte Menschen zu verlieren, kennen schöne Tage die nie enden sollen. Und musst doch loslassen, musst jeden Abend einen Tag loslassen, ein Leben lang. Doch dann bekommt alles einen Sinn und Ziel: deine Angst, dein Leid, dein Gesundsein und dein Kranksein, dein Leben und dein Sterben. Erst wenn kein Gott da wäre, keine Liebe am anderen Ufer, erst dann wäre alles sinnlos und absurd.
GEBET:
Guter Vater, wie Du die Auslieferung des Pilatus erdulden musstest, so bleibe bei uns, wenn sich unser Leben verändert, und wir unvorhergesehene Wege gehen müssen. Amen.